Enten auf Wanderschaft !


 

Jetzt sieht man wieder an den seltsamsten Orten Stockenten umherwatscheln: in Gärten, im Sprudelhof, in der Stadt. Die Tiere treibt nicht der Hunger um, wie manche Menschen glauben. Nein, auf der Suche nach einer sicheren Kinderstube sind sie im Frühjahr. So bleiben denn auch die Entenweibchen in der Begleitung von ein oder auch zwei Erpeln häufig quakend an der einen oder anderen Stelle stehen: "Was meinst Du, hier ?".
Die Suche erfolgt nicht nur auf dem Boden. Gelegentlich sieht man sie auch hoch oben auf einem Baum in Technähe - oder fern ab vom Wasser auf einem Balkon in der Stadt. Nach dem Schlüpfen springen die Kleinen dann einfach mutig über den Nestrand, in der Natur in der Regel sanft gebremst von vielerlei Geäst, und folgen der Mutter zum nächstgelegenen Gewässer.

Was in der freien Natur eine prima Strategie ist: im Gelände verteilen oder hoch oben brüten, damit Freßfeinde kein leichtes Spiel haben, ist in der Stadt ein gefährliches Spiel. Hier ist menschliche Hilfe durchaus angesagt, vor allem beim Strasse überqueren. Selbst von hohen Gebäuden kommen die Kleinen dagegen in der Regel ohne Schaden im freien Fall herunter, selbst wenn sie unten kein Grün auffängt. Wer sicher gehen will, kann der Familie jedoch helfen, indem er die Kleinen in einem Karton nach unten trägt und die Kleinen bewacht, bis die Mutter nachgekommen ist. Hierbei sollte man aber warten, bis die Mutter selbst zum Aufbruch drängt und die Kleinen nach unten zu locken versucht.

Einmal in Bach oder im Park angelangt, braucht die muntere Schar dann aber keine Hilfe mehr. Unter den wachsamen Augen der Mutter werden Insekten gefangen und nach allerlei Leckerbissen gegründelt, die Natur bietet in der Umgebung unserer Gewässer, alles was für ein gesundes Wachstum der Kleinen notwendig ist. Allerdings lauern dort auch viele andere Tiere, für die die Küken eine willkommene Bereicherung des Speiseplans sind: Krähen, Hechte, Reiher, Ratten, die Liste ist lang, und antsprechend vorsichtig müssen die Kleinen sein. Deshalb nicht wundern, wenn sie sich häufig im dichten Schutz der Anpflanzungen aufhalten und nicht so leicht zu entdecken sind. Trotzdem werden nicht alle es schaffen groß zu werden. Das ist von der Natur so vorgesehen, denn auch Enten sind ein Teil des großen "Fressen und Gefressenwerden", das in einem gesunden Lebensraum ein natürliches Gleichgewicht bildet.

Nicht vorgesehen von der Natur ist dagegen der Tod auf der Straße.
Deshalb sollte man die Tiere an ihrem Brutplatz jenseits befahrener Straßen keinesfalls Füttern. Wenn die Mutter sich später an die gute Futterquelle erinnert und versucht, mit ihren Jungen dort regelmäßig wieder hinzukommen, sind Katastrophen vorprogrammiert. Autostraßen werden zwar von den erfahrenen Alttieren allein in der Regel souverän gemeistert, man kann ja notfalls rasch auffliegen. Der Weg zu Fuß mit den noch nicht flugfähigen Jungen ist dagegen jedsmal ein gefährliches Unterfangen. Dann verkehrt sich gut gemeinte Hilfe ins Gegenteil.