Faszinierender Neubürger im Teich: Der Biber


3. Update (Ende 2009)


Biber macht sich's an Teichinsel gemütlich




Ein Abendbesuch beim Biber im Kurpark




2. Update (Herbst 2008): Ein Jahr Leben mit dem Biber im Kurpark

Pressemitteilung vom 05.09.2008,
in leicht geänderter Form in der Wetterauer Zeitung veröffentlicht


Heimlicher Ansiedler verursacht wenig Probleme -
Zeitweise Richtung Usingen abgewandert


Viele Parkbesucher halten ihn für so was ähnliches wie das Ungeheuer von Loch Ness, denn kaum einer hat ihn je zu Gesicht bekommen: den im letzten Jahr in den Großen Teich eingewanderten Biber. So hat unsere Tierfotografin Dutzende von Teich-Besuchen im Morgengrauen gebraucht, bis ihr endlich ein Foto des knapp 1 m großen und ca. 25-30 kg schweren Tieres beim Fressen am Flachufer gelang (Bild 1). Meistens sieht man dagegen nur den Kopf durchs Wasser gleiten, und dann einen breiten Rücken, der abtaucht, während Schwanz und Füße unsichtbar bleiben (Bild 2 a/b). Und auch seine Fraßspuren sind so dezent, dass viele Parkbesucher gar nicht glauben wollen, dass es ihn wirklich gibt. Nur ausnahmsweise gibt es überraschende Begegnungen, die ein bisschen wie Anglerlatein klingen, auch wenn sie wahr sind. So kürzlich der Bericht eines Mitgliedes des Angelsportvereins, der eines späten Abends den Biber an der Angel hatte. Das Tier war ganz beschäftigt mit dem Abtransport eines großen Weidenzweiges in die ausgeworfenen Angeln hinein geschwommen, während der Angler im Dunkel etwas abseits auf einer Bank saß. Erst beim anschließenden Drill gab der Biber auf und ließ seinen Ast und zwei verknotete Angelschnüre zurück. Gut, dass er einen Naturfreund erwischt hatte, der sich mehr über diese unerwartete erste Begegnung mit dem Biber freute, als sich über die beschädigte Angelausrüstung zu ärgern.

 

Erstmals aufgefallen war der Biber Ende letzten Sommers durch eine spektakuläre Baumfällung auf einer der Teichwiesen. Doch die Ängste, die damals aufflackerten, erwiesen sich als unbegründet. Sofort angebrachte Drahtmanschetten an den ufernahen Bäumen wie Weiden, Pappeln und Erlen, die auf der Speisekarte des Bibers obenan stehen, haben sich bewährt: Kein einziger Baum wurde seitdem mehr gefällt. Mehr noch, diejenigen der ufernahen Bäumen, die bei Entdeckung des Neubürgers - der wahrscheinlich schon seit Mai 2007 unbemerkt am Teich gelebt hatte – bereits angeknabbert waren, haben sich unter den Manschetten selbst repariert. Dicke Holzstränge mit Leitungsbahnen haben die Funktion der beschädigten Rinde übernommen, alle Bäume stehen in vollem Laub. Und der Biber findet soviel Büsche und Stangenholz am Teichrand, dass eine ganze Familie satt werden könnte, bevor sie die Gärtner der Mühe entheben würden, das aufschießende Gehölz jährlich zurückschneiden zu müssen. Weidengebüsche, die der Biber letztes Jahr radikal abgenagt hatte, sind inzwischen wieder mehr als mannshoch und können nun wiederum vom Biber "geerntet" werden (Bild 3).


 

Der Neuankömmling lernte auch rasch, dass ihm die Menschen die Arbeit der Wasserstandsregelung durch Dammbau hier abgenommen hatten. Nachdem die ersten störenden Bauversuche im Zuflussgraben durch die Mitarbeiter des Kurbetriebs mit Gittern vor dem Zuflussschacht verhindert wurden, ließ er es dabei bewenden. Dass der Bad Nauheimer Biber wenig Probleme macht, ist sicher kein Zufall. Ähnlich wie bei uns Menschen stammen die Schlagzeilen in der Presse von schlimmen Schäden, die einzelne Individuen meist unter ungünstigen Umweltbedingungen anrichten. Dagegen sind die große Masse der Durchschnitts-Biber wie der Durchschnitts-Menschen nicht Schlagzeilen trächtige Destrukteure. Vor allem dann, wenn die Lebensbedingungen mit einem artenreichen Uferstreifen und einem großen Wasserreservoir so ideal sind wie am Großen Teich.

Störungen durch Bauarbeiten und abendliche Teichfeste scheinen den Biber wenig zu berühren. Doch ein großer Kummer plagt ihn: er ist allein. So war er zwischen Mitte April und Mitte Juni schon einmal zwei Monate, vermutlich auf der Suche nach Anschluss, Richtung Usingen abgewandert. Bekannt wurde dies nur dadurch, dass wenige Tage nachdem – während einer Hochwasserwelle der Usa - die Aktivitätsspuren des Bibers in Bad Nauheim plötzlich verschwunden waren, ein Biber in Usingen im Klärbecken gefunden wurde. Der Pechvogel hatte Glück im Unglück, da der dortige Betriebsleiter Andreas Otto wusste, was in einem solchen Fall zu tun ist. Per Video dokumentiert, wurde zunächst eine Schwimmplattform als Rettungsinsel herabgelassen und diese dann per Kran an Land gehievt, nachdem sich das erschöpfte Tier darauf geflüchtet hatte. Mit einer Menschenkette wurde der arme Kerl dann wieder zu dem Loch am Zaun getrieben, durch das er sich hineingegraben hatte. Danach blieb der Biber sowohl in Usingen wie in Bad Nauheim während des gesamten trocken Frühjahrs verschollen. Doch nach der nächsten Hochwasserwelle in der zweiten Junihälfte jubelten die Bad Nauheimer Naturschützer: es gab wieder frische Knabberspuren in der Nordkurve des Großen Teiches. Der reichgedeckte Tisch im Bad Nauheimer Revier hatte dem Biber zurückgelockt. Den Jubel der Naturschützer teilen die Kinder voll und ganz. Schon viele Schulklassen und Kindergruppen sind dem Angebot des Erna-Ente-Teams gefolgt, mitten in der Stadt auf den Spuren des Bibers zu wandeln. Die Begeisterung über den Schulunterricht vor Ort ist jedes Mal groß. Ist es doch etwas ganz anderes im Sachunterricht Bilder vom Biber geschnittene Weiden zu sehen, als selbst auf Spurensuche zu gehen und dann mit der Hand über die Knabberstellen zu fahren. Heiß begehrt als Souvenir sind dabei die "Biberstöcke", die man am Ufer finden kann: glänzende Weidenzweige, von denen der Biber die Rinde sauber abgeschält hat. Interessenten können Führungstermine unter 0177 47 242 47 verabreden.


Pressemitteilung vom 29.10.2008,
in leicht geänderter Form in der Wetterauer Zeitung veröffentlicht



 

Der Zahn der Zeit und des Bibers haben gemeinsam an dieser alten Weide genagt. Bereits Ende letzten Winters hatte der Biber an diesem mächtigem Baumstamm auf der Nordinsel zu arbeiten begonnen. Da die Krone schon licht war, wurde nach Rücksprache mit den Naturschutzbehörden darauf verzichtet, den Baum zu schützen, und dem Biber freies Knabbern gewährt. Ein großer Haufen von Sägespänen kündigte von der eifrigen Arbeit. Doch nach einigen Nächten gab der Biber (oder ist es eine Biberin ?) die Arbeit an dem ca. 80 cm dicken Stamm auf, um erst jetzt im Herbst das Werk zu vollenden. Nun zeigte sich, dass der Biber den Baum weise gewählt hatte: nur noch eine dünne Wand bildete das Holz des Stammes, der Rest war hohl. An anderer Stelle wäre dieser Baum schon längst das Ziel einer Baumpflege-Kolonne gewesen, um der Wegesicherungspflicht nachzukommen. Hier auf der Insel hat es der Biber kostenlos erledigt. Und wie es die menschlichen Fachleute nicht besser hätte machen können, fiel der alte Baum parallel zum Inselufer. Nun bietet er nicht nur dem Biber für den Winter reichlich Zweige, sondern die Reste schützen die Flachwasserzone um die Insel und werden ideale Brut- und Ruheplätze für die Wasservögel ergeben. Nun, manche haben halt ihre Naturpflege-Instinkte bereits mit der Muttermilch gesogen....


1. Update (27.02.2008)

Inzwischen ist unser Biber gut über den Winter gekommen. Er ist immer noch sehr scheu und lässt sich nur nachts beobachten. Wenn, dann wurde aber immer nur ein Tier gesehen. Das könnte sich aber schnell ändern, sind doch inzwischen einige alleinstehende Biber in der Wetterau unterwegs. Während des Winters hat er viele kleine Weidenbäumchen gefällt, denn in dieser Zeit ernährt er sich vorwiegend von Rinde. Er hat die Auswahl aber sehr geschickt getroffen (na ja, manchmal haben wir mit Drahtmanschetten ein bisschen nachgeholfen) und hat sie an Stellen geschnitten, an denen der zahlreiche Aufwuchs von jungen Weiden sowieso gärtnerisch reguliert werden müsste. Wahrscheinlich wird er in Kürze auch eine dicke alte Weide am Rand einer der Teichinseln fällen. Dort hat er sich schon heftig an die Arbeit gemacht. Da es sich aber um einen alten Baum handelt, von dem schon Teile der Krone abgebrochen sind, lassen wir ihn gewähren. Wir hoffen, dass nach der Fällung auch ein geschützter Sitz- und Brutplatz für Wasservögel übrig bleibt, wenn der Biber das verwertet hat, was er gebrauchen kann. Es bleibt also weiterhin sehr spannend zu beobachten, wie der Biber sein Revier gestaltet und einige Schulklassen haben von unserem Führungsangebot "Auf den Spuren des Bibers und seiner Nachbarn" auch schon Gebrauch gemacht.
Weitere Auskünfte zu Biber und Führungen unter 0177 47 242 47.


 


Das erste Biber-Info (Herbst 2007)

Unbemerkt von den meisten Parkbesuchern leben seit einigen Monaten Biber im Großen Teich. Wir wissen noch nicht, ob es nur einer ist oder ein Pärchen, denn unsere Neubürger sind sehr scheu. Knabberspuren zeigen aber, dass sich die großen Pelztiere (Biber können 20-30 kg schwer werden) schon seit einiger Zeit bei uns wohlfühlen und jetzt auch beginnen, sich für den Winter häuslich einzurichten. Biber sind reine Vegetarier und leben von Stauden und Zweigen. Insbesondere frisch geschnittene Weidenzweige sind eine beliebte Nahrung, aber auch andere Weichholzarten werden benagt. Zarte Zweige werden komplett gefressen, von größeren wird die Rinde abgeschält. Da Biber mit ihren Nagezähne auch mühelos größere Bäume fällen können, wurden inzwischen alle gefährdeten Bäume im kritischen Bereich mit Drahtmanschetten geschützt. Nur ein bereits vorgeschädigter Baum wurde dem Biber überlassen und wurde inzwischen auch von ihm/ihnen gefällt. Da die Biber in dem eng bepflanzten Uferbereich mehr als genug Büsche und Stangenholz finden, mit deren Rückschnitt sie sich sogar nützlich machen, werden sie trotzdem keinen Mangel leiden.

Das Biber in einer Parkanlage wie dieser leben, ist übrigens nichts Ungewöhnliches. In ihrer Heimat bevölkern die Elbebiber das gesamte Dessau-Wörlitzer Gartenreich und machen gerade für Besucher mit Kinder auch einen Teil seiner Attraktion aus. Große Besucherströme machen ihnen also nicht aus, nur nachts wollen sie ihre Ruhe haben. Unsere Biber sind allerdings nicht direkt von der Elbe zu uns gekommen, sondern aus dem Spessart, wo vor vielen Jahren Elbebiber angesiedelt wurden. Solche Wanderungen über 50 km Distanz sind bei Bibern durchaus möglich, denn die Jungtiere müssen im Alter von
2 Jahren das Revier ihrer Eltern verlassen und wandern dann auch weite Strecken über Land, bis sie ein eigenes Revier nach ihrem Geschmack finden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Reviere nicht übervölkert werden. Wir dürfen stolz sein, dass unsere Teiche mit seinen Anpflanzungen trotz der Lage mitten in der Stadt als attraktiv genug für eine Reviergründung befunden worden. Damit ist der Bad Nauheimer Park um eine tolle Attraktion für Naturfreunde reicher geworden und wir können unseren Kindern eine Tierart präsentieren, die in unserer Gegend seit mehr als 100 Jahren verschwunden war.

Die Tiere sind nachtaktiv und halten sich bisher nur in einem ca. 5 m breitem Uferstreifen auf. Sie werden Sie also nur selten zu Gesicht bekommen und wenn, dann in der Regel schwimmend, wie oben gezeigt. (Das Foto stammt nicht von hier! Bitte versuchen Sie keine Fotos von den Tieren zu machen, solange sie noch so scheu sind, denn es wäre doch ein Jammer, wenn sie durch unvorsichtiges Verhalten vertrieben würden ! Im nächsten Jahr fühlen sie sich vielleicht schon heimischer hier und verlieren etwas von ihrer Scheu - je weniger sie anfangs erschreckt werden, um so besser ist die Chance, dass sie zutraulicher werden.)

Die beste Chance den Biber einmal zu Gesicht zu bekommen haben Sie in der Abend- oder Morgendämmerung mit einem Fernglas von einer der Bankgruppen aus. Achten sie auf "Bugwellen" im Wasser ! Die Bugwelle eines Bibers verläuft gerade und ähnelt der einer schwimmenden Ente. Die ebenfalls im Teich lebenden, sehr viel kleineren Bisamratten dagegen, schlängeln sich mit ihrem Schwanz vorwärts, entsprechend unruhig ist ihre Schwimmspur. Betreten sie keinesfalls in der Dämmerung den Uferstreifen ! Der Biber wird sie garantiert sehen oder riechen bevor Sie Ihn entdecken und wird sich zurückziehen. Sehr gut kann man jedoch seine typischen Knabber-
spuren auch mit Kindern zusammen tagsüber entdecken (s. unten).
Entsprechende Hinweisschilder werden in Kürze in den Wildpflanzenrundgang integriert werden. Außerdem wird das Erna-Ente-Team Führungen "Auf den Spuren des Bibers" anbieten, wo auch vieles über die Lebensweise dieses faszinierenden Säugetieres erzählt werden wird.
(Terminanfragen unter 0177 47 242 47)